Eine Geschichte über zwei Küken, ein Huhn und Eier

Eine Geschichte über zwei Küken, ein Huhn und Eier
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Die Geschichte von Marta und Martin

Der letzte Moment im Leben eines männlichen Kükens

Der letzte Moment im Leben eines männlichen Kükens

Dies ist die Geschichte von Marta und Martin. Marta und Martin sind zwei Küken, die in einer der letzten Februarnächte diesen Jahres zur Welt gekommen sind. Was denkt ihr, Kinder, wo sind die beiden zur Welt gekommen? Auf einem Bauernhof? Nein, leider sind die beiden nicht auf einem Bauernhof zur Welt gekommen. Heutzutage kommen so gut wie alle Küken in großen Fabriken auf die Welt, die man Brütereien nennt. Auch auf einer solchen haben Marta und Martin das Licht der Welt erblickt. Doch dieses Licht war nicht etwa die Sonne. Es war das künstliche Licht einer Glühbirne. Und um Marta und Martin herum weht auch kein frischer Bauernhofsduft. Was die beiden vor allem wahrnehmen sind unzählige andere Küken, die alle laut piepsen, denn gackern können sie noch nicht.

Nicht allein, aber ohne Mutter und Vater

Was die beiden nicht wissen: Mit ihnen sind in dieser Nacht ca. 180.000 Küken geschlüpft. Diese drängen sich nun zu jeweils ca. 100 in einer Schublade. Dann greift eine große Hand nach dieser Schublade. Plötzlich bewegt sich alles unter den Füßen von Marta und Martin. Zuerst bemerken sie, dass über ihnen nun keine Decke mehr ist, sondern ein riesiger Raum. Dann wackelt alles.

Die Trennung: Küken sexen

Kurz nachdem der Boden unter ihren Füßen wieder aufgehört hat zu wackeln kommt auch schon wieder eine Hand und dieses Mal packt sie Martin am Genick und wirft ihn durch die Luft. Martin schlägt hart auf einem schrägen Untergrund auf. Autsch. Das tat weh. Doch Martin hat keine Zeit nachzusehen, ob er von diesem Aufprall einen blauen Fleck bekommen hat, denn er rutscht sofort diesen schrägen Boden hinab in ein dunkles Loch.

Das Förderband

Unten angekommen bewegt sich schon wieder der Boden unter Martins Füßen. Er bewegt sich in eine Richtung. Es ist ein Tunnel, durch den dieser bewegliche Boden Martin hindurch transportiert. Martin muss aufpassen, um sein Gleichgewicht zu halten. Doch da er gerade erst zur Welt gekommen und somit noch sehr wackelig auf den Beinen ist, schafft er das oft nicht. Immer wieder fällt er um und schlägt mit dem Kopf gegen die Wand. Urplötzlich verschwindet dieser sich bewegende Boden unter Martins Füßen. Martin fällt und landet weich.

Die Gaskammer

Doch was ist das Weiche, auf dem er gelandet ist? Martin erschrickt. Es sind andere Küken und sie bewegen sich nicht. Sie liegen regungslos da. Martin schaut sich um und kann sich schon wieder nicht auf den Beinen halten. Ihm wird schwummrig und er fällt auf den Rücken. Er sieht gerade noch, wie von oben ein weiteres Küken herabfällt. Dann bekommt er keine Luft mehr. Er erstickt. Martin ist tot.

Schnabel-Kürzen

Schnabel-Kürzen

Schnabel-Kürzen

Zurück zu Marta. Sie konnte sich gar nicht von Martin verabschieden. Plötzlich war er weg. Doch sie hat kaum Zeit, zu überlegen, wo er denn sein könnte, da packt auch sie diese Hand am Nacken und wirft sie ebenfalls durch die Luft. Doch Marta landet nicht in einem Trichter. Sie landet in einer Box, in der schon viele andere Küken warten. Dort muss auch Marta lange warten. Zuerst landen immer mehr Küken bei ihr in der Box bis es dort wieder sehr eng ist. Irgendwann wackelt der Boden wieder. Plötzlich wird sie schon wieder am Nacken gepackt und ehe sie sich versieht drückt sie etwas gegen ein brennend heißes Ding. Ahhhhh. Marta will schreien, doch sie kann nicht. Ihr Schnabel ist heiß wie Feuer und wird gegen dieses heiße Ding gedrückt. Dies dauert zwar nur kurz, doch danach tut Martas Schnabel so höllisch weh, dass ihr schlecht wird und sie umkippt. Schließlich wacht sie irgendwann wieder auf, als sie erneut am Nacken gepackt und durch die Luft gewirbelt wird.

Bodenhaltung

Dieses Mal landet sie auf Drahtboden in einer großen Halle, in der bereits viele andere Küken auf sie warten. Marta hat Hunger. Sie macht sich auf die Suche nach etwas essbarem. Kurz darauf entdeckt sie eine Gruppe von Hühnern, die sich um etwas herum schart und eifrig pickt. Sie zwängt sich dazwischen und pickt ebenfalls. Ihre erste Mahlzeit. Kurze Zeit später geht das Licht aus. Und es geht lange nicht wieder an. Ab und zu erleuchtet wieder kurz dieses Kunstlicht. Doch es geht stets schnell wieder aus.

Gegenseitiges Picken

Sobald es dunkel ist, muss Marta wieder besonders gut aufpassen, denn immer wieder picken andere Hühner, die sich um Marta herum befinden, auf sie ein und reißen ihr Federn aus. Das tut weh. Marta versucht wegzurennen, doch wohin? Überall sind Hühner. Nirgends gibt es ein Versteck. Irgendwann ist sie so verzweifelt, dass sie einfach nur noch zurückpickt.

Ein Leben als Eier-Produzentin

Nach ein paar Wochen legt Marta ihr erstes Ei. Sie ist unglaublich stolz darauf. Doch als sie sich umdreht und es betrachten will, merkt sie, dass es durch den Gitterboden unter ihr hindurchgefallen ist. Sie versucht, an es heranzukommen, doch sie schafft es nicht. Traurig sitzt sie da und bewacht ihr Ei, das sie nicht ausbrüten kann. Nach einigen Stunden geht wieder einmal das Licht an. Marta sieht nach unten. Da liegt ihr Ei. Sie kommt einfach nicht dran. Plötzlich kommt wieder so eine Hand und nimmt das Ei unter Marta, ihr Ei. Es ist weg. Kurze Zeit später wird es als bunt bemaltes Osterei in einem Osternest liegen.

Die Lebenszeit zwischen zwei Osterfesten

Marta wird vom Osterfest hingegen nichts mitbekommen, denn sie muss den Rest ihres Lebens in dieser Halle fristen. Das nächste Ostern wird sie höchstwahrscheinlich auch schon nicht mehr erleben, denn in aller Regel werden “Legehühner” im Alter von ca. einem Jahr getötet und zu Fleisch verarbeitet, weil sie dann nicht mehr so viele Eier legen, dass die Menschen, die sie ausbeuten, noch genug Geld mit ihnen verdienen könnten.

Eine wahre Geschichte

Wie Marta und Martin geht es jedes Jahr über 80 Millionen Küken in Deutschland, auch solchen, die für die Produktion von Bio-Eiern gezüchtet werden.

Hier eine ZDF-Doku dazu:

Der Küken-Mord

Verarbeitete Eier und Oster-Eier müssen zudem nicht gekennzeichnet werden, aus welcher Halungsform sie kommen und so wird in Produkten, welche Eier enthalten, bzw. unter der Farbe oft eine noch grausamere Herkunft versteckt als die von Bio-Eiern. Doch auch die Bedingungen der Bio-Haltung sehen oft ganz anders aus, als es sich der Verbraucher vorstellt, abgesehen davon, dass auch für Bio-Eier Küken-Mord begangen wird. Wie Bio-Haltung aussehen kann, zeigt folgendes Video:

Der Küken-Mord

Ei-freie Produkte gibt es z.B. hier:

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About Matthias Ebner

Ich bin seit Mitte 2010 vegan und lebe in Tübingen. Neben dem Veganismus engagiere ich mich auch für Umwelt- und Klimaschutz. Mehr über mich findet ihr auf meinem Profil oder bei Google Plus
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  • http://www.bio-thek.de/ Biothek

    Danke Matthias für den Artikel, ich hab mir das erste Video angeschaut, aber es war zu grausam für mich und ich musste es stoppen :(. So kann es nicht ewig weiter gehen…

    • http://jogja-bakery.com eMatt

      Danke für das nette Feedback! Ich gebe dir absolut Recht: So kann es nicht ewig weiter gehen!
      Am 14.05.2012 um 21:41 schrieb “Disqus” :

  • http://twitter.com/RobertSteffens1 Robert Steffens

    ….super geschrieben…aber unglaublich deprimierend.
    Es ist ja nicht so dass einem solche Dinge nicht bewusst sind, aber wenn man dann einmal wieder so etwas visuell anschauen muss, wird einem wieder bewusst, was für ein Monster der Mensch sein kann.

    vG

    • http://jogja-bakery.com eMatt

      Danke für das Kompliment! Und ja, es ist total traurig. Aber deswegen müssen wir alle für eine bessere Welt kämpfen. Erfreulicherweise gibt es ja immer mehr aktive Tierrechtsgruppen und Tierrechtler.
      Am 17.05.2012 um 16:13 schrieb “Disqus” :

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